Saisonarbeit in Dänemark: Ernte, Sommertourismus und Tarifverträge
Dänemark bietet Saisonarbeit bei der Erdbeer- und Apfelernte, beim Schlagen von Weihnachtsbäumen, in Hotels, auf Campingplätzen und in Freizeitparks. Einen gesetzlichen Mindestlohn gibt es nicht – die Löhne werden in Tarifverträgen festgelegt.

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Welche Saisonjobs gibt es in Dänemark?
Der dänische Arbeitsmarkt braucht zu zwei Zeitpunkten zusätzliche Kräfte. Im Sommer sind Landwirtschaft, Küstenhotels, Campingplätze, Strandrestaurants und Freizeitparks gefragt. Herbst und Frühwinter stehen im Zeichen der Apfelernte und des Schlagens von Weihnachtsbäumen für den Export.
Die häufigsten Stellen sind Erdbeerpflücker, Verpackungshilfe, Küchenhilfe, Spülkraft, Servicekraft, Zimmermädchen oder Roomboy, Hausmeister auf dem Campingplatz und Fahrgeschäftsbediener. Qualifizierte Kräfte wie ausgebildete Köche erhalten längere und besser bezahlte Verträge.
Regionen und Schwerpunkte der Saisonarbeit
Jütland und Fünen haben die meisten Betriebe für Erdbeeren, Gemüse und Kernobst, während die Weihnachtsbaumkulturen vor allem in Mittel- und Westjütland liegen. Der Sommertourismus spielt sich in Skagen, an der Westküste, auf Bornholm und rund um Billund ab.
Kopenhagen bietet ebenfalls Saisonjobs in Hotels, in der Außengastronomie und in den Tivoli-Gärten, die im Frühjahr, zu Halloween und zu Weihnachten öffnen. Die dänischen Inseln und Sportboothäfen suchen von Juni bis August vielseitig einsetzbares Personal.
Kalender der wichtigsten Saisons
Dänische Erdbeeren werden vor allem von Juni bis Ende Juli geerntet, danach folgt Freilandgemüse. Äpfel und Birnen bestimmen September und Oktober. Schlagen und Verpacken der Weihnachtsbäume ziehen sich von November bis Mitte Dezember, oft bei Kälte.
Warum rekrutieren Arbeitgeber im Ausland?
Die Arbeitslosigkeit in Dänemark ist niedrig, und einheimische Studierende decken den Bedarf nicht. Betriebe und Hotels veröffentlichen ihre Angebote daher auf Englisch, oft schon im Februar, und beschäftigen viele Saisonkräfte aus Polen, Rumänien, der Ukraine und dem Rest der EU.
Wer darf in Dänemark als Saisonkraft arbeiten?
Die Regeln hängen von der Staatsangehörigkeit ab. Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz arbeiten frei, während Angehörige anderer Staaten einen Titel von SIRI benötigen, der dänischen Behörde für internationale Anwerbung und Integration.
EU-Bürger: Freizügigkeit und Formalitäten
EU-Bürger können ohne Genehmigung zu arbeiten beginnen. Nach drei Monaten beantragen sie eine EU-Anmeldebescheinigung, danach eine CPR-Nummer und eine Steuerkarte bei der Steuerverwaltung. Ohne Steuerkarte behält der Arbeitgeber die Steuer zum Höchstsatz von 55 % ein.
Staatsangehörige außerhalb der EU
Dänemark hat kein landwirtschaftliches Saisonvisum wie das finnische Modell. Nicht-EU-Bürger nutzen allgemeine Regelungen wie das Pay Limit Scheme oder die Positivliste, die ein hohes Gehalt oder eine Qualifikation voraussetzen und für gering qualifizierte Saisonstellen selten passen.
Working Holiday – der Hauptweg für junge Leute
Junge Menschen aus Ländern, die ein Abkommen mit Dänemark geschlossen haben, darunter Australien, Kanada, Japan, Neuseeland, Südkorea, Argentinien und Chile, können eine Working-Holiday-Erlaubnis erhalten. SIRI legt im Bewilligungsschreiben fest, wie viele Monate gearbeitet werden darf.
Diese Erlaubnis verbietet die Arbeit in einem anderen Schengen-Land und kann entzogen werden, wenn die erlaubte Arbeitsdauer überschritten oder eine reguläre Dauerstelle angenommen wird. Innerhalb von fünf Tagen nach dem Einzug in eine dänische Unterkunft muss man sich im CPR-Register anmelden.
Löhne und Arbeitsbedingungen für Saisonkräfte
Dänemark hat keinen gesetzlichen Mindestlohn. Die Lohnuntergrenzen werden in Tarifverträgen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden festgelegt, die mindestens acht von zehn Beschäftigten abdecken. Die Gewerkschaft 3F verhandelt sowohl für Landwirtschaft und Gartenbau als auch für Hotellerie und Gastronomie.
Lohntabellen in Hotellerie und Landwirtschaft
Im Hoteltarifvertrag Horesta-3F 2025–2028 erhält eine ungelernte Kraft seit dem 1. März 2026 mindestens 148,49 Kronen pro Stunde. Abendstunden, Samstagnachmittage und Sonntage werden mit Stundenzuschlägen vergütet, Feiertage doppelt bezahlt.
In der Landwirtschaft sieht der Tarifvertrag zwischen GLS-A und 3F ähnliche Stundensätze vor, bei der Ernte oft ergänzt durch Leistungsprämien. Ein Arbeitgeber ohne Tarifbindung kann seine Sätze frei festlegen – daher lohnt es sich, vor der Unterschrift die Tarifbindung zu prüfen.
Kosten, Abzüge und nötige Dokumente
Vom Bruttolohn gehen zunächst 8 % Arbeitsmarktbeitrag ab, danach die Einkommensteuer. Eine vom Arbeitgeber gestellte Unterkunft wird oft vom Lohn abgezogen. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was vor der Abreise zu prüfen ist.
| Punkt | Detail | Hinweis |
|---|---|---|
| Mindeststundenlohn Hotellerie | 148,49 DKK (ungelernt, 2026) | Tarifvertrag Horesta-3F |
| Festangestellte Servicekraft | 175,76 DKK pro Stunde (2026) | Gleicher Tarifvertrag |
| Sonntagszuschlag | 31,46 DKK pro Stunde (2026) | Erwachsene |
| AM-bidrag (Arbeitsmarktbeitrag) | 8 % vom Bruttolohn | Vor der Steuer einbehalten |
| Steuerkarte und CPR-Nummer | Pflicht | Sonst 55 % Abzug |
| Unterkunft vom Arbeitgeber | Meist geteiltes Zimmer | Betrag schriftlich festhalten lassen |
| Dänisches Bankkonto | NemKonto, mit der CPR-Nummer verknüpft | Für die Lohnzahlung |
Schritte zum Saisonjob
Rekrutiert wird online, und zwar früh. Wer strukturiert vorgeht, reist mit schriftlichem Vertrag und korrekten Papieren an, statt vor Ort in der Hochsaison zu suchen, wenn Unterkünfte knapp sind.
- Saison und Branche wählen, dann einen einseitigen Lebenslauf auf Englisch vorbereiten.
- Ab Januar oder Februar Jobnet, Workindenmark und das EURES-Portal durchsehen.
- Betriebe, Hotels und Campingplätze an der Küste direkt anschreiben.
- Prüfen, ob der Arbeitgeber einen 3F-Tarifvertrag anwendet.
- Einen schriftlichen Vertrag mit Lohn, Arbeitszeiten und Unterkunftskosten einholen.
- Als Nicht-EU-Bürger vor der Reise die passende SIRI-Erlaubnis beantragen.
- Nach der Ankunft CPR-Nummer, Steuerkarte und NemKonto beantragen.
Häufige Fehler und Betrugsmaschen
Die meisten dänischen Arbeitgeber sind seriös, doch manche Anzeigen in sozialen Netzwerken zielen auf ausländische Bewerber, die es eilig haben. Die Warnsignale ähneln denen im übrigen Europa und sind leicht zu erkennen.
- Anmelde- oder Vermittlungsgebühren an einen Vermittler zahlen.
- Ohne schriftlichen Vertrag und ohne festgelegte Miete abreisen.
- Ohne Steuerkarte arbeiten und 55 % Abzug hinnehmen.
- Einen Pauschallohn unterhalb der Tariftabellen akzeptieren.
- Den Reisepass dem Arbeitgeber oder einem Anwerber überlassen.
- Mit einer Working-Holiday-Erlaubnis über die erlaubten Monate hinaus arbeiten.
Häufige Fragen zur Saisonarbeit in Dänemark
Die folgenden Antworten betreffen die häufigsten Situationen deutschsprachiger Bewerberinnen und Bewerber. Sie ersetzen nicht die offiziellen Informationen von SIRI, der Steuerverwaltung oder der zuständigen Gewerkschaft, die im Zweifel maßgeblich bleiben.
Muss man Dänisch sprechen, um eingestellt zu werden?
Für die meisten Saisonstellen nicht. Englisch genügt in landwirtschaftlichen Betrieben, in Küchen und in vielen Hotels. Ein paar Worte Dänisch helfen im Service oder an der Rezeption, und Deutsch ist an der Westküste, die viele deutsche Urlauber besuchen, gern gesehen.
Stellt der Arbeitgeber eine Unterkunft?
Häufig, vor allem auf Höfen und in abgelegenen Hotels. Meist handelt es sich um ein geteiltes Zimmer oder einen Wohnwagen. Die Miete wird vom Lohn abgezogen – deshalb sollte ihr Betrag vor der Zusage im Vertrag stehen.
Wie viel kann man in einer Sommersaison verdienen?
Bei rund 148 Stunden pro Vierwochenzeitraum zum Satz für Ungelernte in der Hotellerie liegt der Bruttoverdienst über 21 000 Kronen. Nach 8 % Arbeitsmarktbeitrag, Steuer und Unterkunft hängt der Nettobetrag stark von den tatsächlich geleisteten Abend- und Sonntagszuschlägen ab.
Darf man für mehrere Arbeitgeber arbeiten?
EU-Bürger ja, sofern jede Stelle über Haupt- und Nebensteuerkarte gemeldet wird. Wer eine Working-Holiday-Erlaubnis hat, muss die von SIRI festgelegten Höchstdauern pro Arbeitgeber einhalten, sonst droht der Entzug der Erlaubnis.
Wo man diese Jobs findet
- EURES – Leben und Arbeiten in Dänemark — EURES-Informationsseite zur Jobsuche, zu den Portalen Jobnet und Workindenmark, zum Steuersystem und zu den Arbeitsbedingungen in Dänemark.
- Workindenmark – Job portal — Öffentlicher dänischer Arbeitsvermittlungsdienst für ausländische Bewerber (EURES-Netzwerk): englischsprachiges Stellenportal, filterbar nach Ort und Dauer.
- Jobindex – Hotel, restaurant og køkken — Größte private Jobbörse Dänemarks: Kategorie Hotel, Restaurant und Küche mit über tausend Angeboten, darunter tjener und kok.
- Life in Denmark – Finding and taking a job — Öffentliches dänisches Portal: wo man sucht (Workindenmark, Jobnet, EURES), Arbeitsrechte für EU- und Nicht-EU-Bürger, Steuerkarte und a-kasse.
Offizielle und rechtliche Quellen
- SIRI – Working Holiday in Dänemark — Offizielle Seite der Behörde SIRI zu Rechten und Pflichten von Inhabern einer Working-Holiday-Erlaubnis: erlaubte Arbeit, CPR, Aufenthalt.
- Hoteltarifvertrag Horesta-3F 2025–2028 — Volltext des Tarifvertrags für Hotels und Restaurants: Mindestlöhne, Zuschläge, Arbeitszeiten, Altersvorsorge.
- Beschäftigungsministerium – The labour market in Denmark — Offizielle Darstellung des dänischen Modells: kein gesetzlicher Mindestlohn, Rolle der Tarifverträge und der Sozialpartner.