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Saisonarbeit in Polen: Obsternte, Lebensmittelindustrie und Formalitäten

Polen stellt jedes Jahr Saisonkräfte für die Ernte von Erdbeeren, Kirschen, Heidelbeeren und Äpfeln ein, für Obst- und Gemüseverarbeitungsbetriebe sowie für den Tourismus an der Küste und in den Bergen. Der gesetzliche Mindestlohn liegt 2026 bei 4.806 Złoty brutto.

Saisonarbeit in Polen: Obsternte, Lebensmittelindustrie und Formalitäten

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Warum beschäftigt Polen so viele Saisonkräfte?

Polen gehört zu den größten europäischen Erzeugern von Äpfeln, Sauerkirschen, Himbeeren und Johannisbeeren. Obstplantagen, Gemüsebaubetriebe sowie Tiefkühl- und Saftfabriken brauchen von Mai bis November zusätzliche Hände.

Ein großer Teil dieser Arbeitskräfte kommt aus der Ukraine, aus Belarus, Moldau, Georgien oder Asien, doch die Arbeitgeber stellen auch EU-Bürgerinnen und -Bürger ein. Der Tourismus an der Ostsee, in Masuren und in der Tatra schafft zusätzliche Stellen im Sommer und im Winter.

Der Kalender der Obsternte

Die aktivsten Agrarregionen

Masowien südlich von Warschau hat das größte Apfelanbaugebiet Europas. Die Woiwodschaft Lublin führt beim Beerenobst, während in Großpolen zahlreiche Pilzzuchten und Gemüsebaubetriebe ganzjährig Personal beschäftigen.

Lebensmittelindustrie: eine längere Saison

Kühlhäuser, Tiefkühlwerke und Konservenfabriken laufen von Juli bis Oktober auf Hochtouren. Gearbeitet wird in Teams an Sortier-, Wasch- und Verpackungslinien, oft im Dreischichtbetrieb und mit Verträgen über mehrere Monate.

Saisonarbeit im polnischen Tourismus

Die Ostseebäder von Sopot über Kołobrzeg bis Międzyzdroje sowie die Halbinsel Hel stellen von Ende Juni bis Ende August ein. Die Masurischen Seen ziehen Wassersportler und Familien an, während Zakopane und Karpacz vor allem von der Wintersaison leben.

Berufe im Tourismus

Hotels, Campingplätze und Restaurants suchen Servicekräfte, Köche, Küchenhilfen, Zimmermädchen und Roomboys, Rezeptionisten und Verkäufer. Im Service wird oft Polnisch verlangt, in Häusern mit internationalem Publikum reicht mitunter Englisch.

Wer darf ohne Genehmigung arbeiten?

Staatsangehörige der Europäischen Union, des EWR und der Schweiz arbeiten in Polen ohne Genehmigung. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten registrieren sie ihn bei der Woiwodschaft und können eine PESEL-Nummer erhalten, die für Lohnabrechnung und Krankenversicherung nützlich ist.

Die Saisonarbeitserlaubnis für Nicht-Europäer

Drittstaatsangehörige benötigen ein zezwolenie na pracę sezonową, das der Starost über das Kreisarbeitsamt ausstellt. Es gilt für Landwirtschaft, Gartenbau und Tourismus und für höchstens neun Monate pro Kalenderjahr.

Wie läuft das Verfahren für die Saisonarbeitserlaubnis ab?

Der polnische Arbeitgeber stellt den Antrag online auf praca.gov.pl und zahlt 100 Złoty. Hält sich die Arbeitskraft im Ausland auf, wird der Antrag innerhalb von sieben Werktagen ins Register eingetragen, und der Arbeitgeber erhält eine Bescheinigung, die den Antrag auf ein Saisonvisum stützt.

Ankunft in Polen und Erteilung der Erlaubnis

Nach der Ankunft der Saisonkraft meldet der Arbeitgeber diese dem Amt, mit einer Kopie des Reisepasses und der Adresse in Polen; daraufhin wird die Erlaubnis erteilt. Die Arbeit kann auf Grundlage der Bescheinigung sofort nach der Ankunft beginnen; der schriftliche Vertrag muss vor Arbeitsbeginn übergeben werden.

Mehrjährige Erlaubnis und oświadczenie

Staatsangehörige Armeniens, Belarus’, Georgiens, Moldaus und der Ukraine können eine Erlaubnis für drei aufeinanderfolgende Saisons erhalten. Das oświadczenie o powierzeniu pracy, eine vereinfachte Erklärung für per Verordnung aufgeführte Nationalitäten, gilt nicht für Saisontätigkeiten.

Der Rechtsrahmen seit 2025

Die Regeln ergeben sich aus dem Gesetz vom 20. März 2025 über die Beschäftigung von Ausländern, ergänzt durch eine Verordnung vom November 2025 über Saisontätigkeiten. Sie schreiben einen Lohn vor, der mindestens dem vergleichbarer Beschäftigter im Unternehmen entspricht.

Mindestlohn und Arbeitsbedingungen 2026

Der monatliche Mindestlohn beträgt seit dem 1. Januar 2026 4.806 Złoty brutto, je nach Wechselkurs rund 1.100 Euro. Der Mindeststundensatz für zivilrechtliche Verträge wie den umowa zlecenie liegt bei 31,40 Złoty brutto.

Welche Verträge gibt es für Saisonkräfte?

Der Arbeitsvertrag, umowa o pracę, bietet den umfassendsten Schutz. Der zivilrechtliche Auftragsvertrag ist in der Landwirtschaft weit verbreitet; Landwirte können außerdem einen Erntehilfevertrag schließen, der über die landwirtschaftliche Sozialversicherungskasse KRUS versichert ist.

Arbeitszeit, Urlaub und Unterkunft

Das Arbeitsgesetzbuch sieht im Durchschnitt acht Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche vor, mit Zuschlägen für Überstunden. Die Betriebe bringen Erntehelfer oft in Gemeinschaftszimmern unter, teils gegen einen schriftlich vereinbarten Abzug.

PostenBetrag oder Regel 2026
Monatlicher Mindestlohn4.806 PLN brutto
Mindeststundensatz (zivilrechtlicher Vertrag)31,40 PLN brutto
Gebühr für die Saisonarbeitserlaubnis100 PLN, vom Arbeitgeber gezahlt
Höchstdauer der Erlaubnis9 Monate pro Kalenderjahr
ArbeitszeitDurchschnittlich 8 Std. pro Tag, 40 Std. pro Woche
UnterkunftOft gestellt; etwaiger Abzug schriftlich festzulegen
Steuern für junge Leute und Studierende

Beschäftigte unter 26 Jahren sind bis zu einer jährlichen Obergrenze von der Einkommensteuer befreit. Studierende unter 26 Jahren mit Auftragsvertrag zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge, was ihren Nettolohn deutlich erhöht.

Schritt für Schritt zum Saisonjob in Polen

Öffentliche Stellenangebote werden in der nationalen Stellendatenbank gebündelt, die von den Kreisarbeitsämtern gespeist wird. Private Websites und Zeitarbeitsfirmen ergänzen das Angebot – mit sehr unterschiedlichen Garantien.

  1. Branche und Zeitraum wählen: Ernte, Fabrik oder Tourismus.
  2. Die Centralna Baza Ofert Pracy, EURES und die örtlichen Arbeitsämter durchsuchen.
  3. Prüfen, ob eine vermittelnde Agentur im nationalen Register der Arbeitsvermittlungen eingetragen ist.
  4. Vertragsart, Stundenlohn und Unterkunftsbedingungen schriftlich einholen.
  5. Ohne EU-Staatsangehörigkeit die Eintragungsbescheinigung abwarten und dann das Saisonvisum beantragen.
  6. Vor Arbeitsbeginn einen schriftlichen, in eine verständliche Sprache übersetzten Vertrag unterschreiben.
  7. Stunden und Zahlungen bis zum Ende der Saison dokumentieren.

Häufige Fehler und Betrugsmaschen

Missbrauch trifft vor allem Arbeitskräfte, die aus der Ferne über Vermittler angeworben werden. Die Warnsignale sind unabhängig von Branche oder Zielregion meist dieselben und lassen sich größtenteils schon vor der Abreise erkennen.

Muss man für die Ernte Polnisch sprechen?

Nein, das Pflücken lernt man vor Ort, und die Teams sind oft mehrsprachig; Ukrainisch oder Russisch sind dort verbreitet. Für Stellen in Fabriken, im Tourismus oder mit Leitungsfunktion erleichtern Grundkenntnisse in Polnisch Einstellung und Alltag deutlich.

Erlaubt die Saisonarbeitserlaubnis einen Arbeitgeberwechsel?

Die Erlaubnis ist an einen bestimmten Arbeitgeber gebunden. Ein Wechsel erfordert ein neues Verfahren. Staatsangehörige der fünf Länder mit Vorzugsregelung dürfen während der Gültigkeit der Erlaubnis jedoch bis zu 30 Tage lang andere Tätigkeiten ausüben.

Brauchen EU-Bürger einen polnischen Arbeitsvertrag?

Wer als EU-Bürgerin oder -Bürger, etwa aus Deutschland oder Österreich, direkt bei einem polnischen Unternehmen angestellt wird, unterschreibt einen Vertrag nach polnischem Recht und zahlt Beiträge in Polen. Die Europäische Krankenversicherungskarte gilt weiterhin für dringende Behandlungen, der Arbeitgeber muss die Beschäftigung aber bei der polnischen Sozialversicherung anmelden.

Wo gibt es Hilfe bei Problemen?

Die staatliche Arbeitsinspektion PIP kontrolliert die Beschäftigungsbedingungen und nimmt Beschwerden entgegen, auch von Ausländern. Die Infoline Zielona Linia unter 19524 informiert über Genehmigungen, Stellenangebote und Arbeitnehmerrechte.

Wo Sie diese Stellen finden

Offizielle und rechtliche Quellen