Saisonarbeit in Litauen: Landwirtschaft, Ostseeküste und Saisonarbeitserlaubnis
Litauen bietet Saisonarbeit in der Landwirtschaft – bei Obst, Gemüse und Getreide – sowie im Sommertourismus in Palanga, Nida und Vilnius. Der Mindestlohn liegt 2026 bei 1.153 Euro brutto im Monat.

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Welche Saisonjobs gibt es in Litauen?
Litauen, der größte der drei baltischen Staaten, hat eine bedeutende Landwirtschaft und eine Küste, die im Sommer stark besucht ist. Der Bedarf an Saisonkräften konzentriert sich auf die Monate Mai bis Oktober – auf Feldern, in Obstplantagen und Gewächshäusern, in Hotels, Restaurants und Badeorten.
Typische Stellen sind Erdbeer- und Beerenpflücker, Obstplantagenhelfer, Gemüsebau- oder Gewächshausarbeiter, Erntehelfer, Kellner, Koch, Zimmermädchen oder Roomboy, Rettungsschwimmer und Strandverkäufer. Wer vielseitig einsetzbar ist, bekommt leichter längere Verträge.
Agrarregionen und Tourismuszentren
Die großen Ebenen im Zentrum und Norden rund um Panevėžys und Šiauliai liefern den Großteil des Getreides. Obstplantagen, Erdbeeren und Gemüse finden sich im ganzen Land, häufig in Familienbetrieben oder in verarbeitenden Unternehmen.
Der Sommertourismus konzentriert sich auf Palanga, den wichtigsten Badeort, auf Klaipėda und auf die Kurische Nehrung rund um Nida, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Auch Vilnius, Trakai und der Kurort Druskininkai ziehen während der gesamten Sommersaison Besucher an.
Saisonkalender
Erdbeeren werden von Ende Juni bis in den Juli geerntet, andere Beeren im Juli und August, Äpfel von Ende August bis Oktober. Die Getreideernte fällt in den Juli und August. Die sehr kurze Badesaison erreicht ihren Höhepunkt von Mitte Juni bis Ende August.
Eine offizielle Liste der Saisontätigkeiten
In Litauen können nur Tätigkeiten, die auf einer offiziellen Liste der Saisonarbeiten stehen, zu einer Saisonarbeitserlaubnis für Drittstaatsangehörige führen. Die Liste wurde 2017 per Ministerialverordnung beschlossen und 2018 geändert; sie umfasst vor allem Landwirtschaft und Tourismus.
Wer darf in Litauen als Saisonkraft arbeiten?
Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz arbeiten in Litauen ohne Arbeitserlaubnis. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten melden sie ihren Wohnsitz beim Migrationsdepartement an und erhalten eine Bescheinigung über ihr Aufenthaltsrecht.
Die Saisonarbeitserlaubnis für Drittstaatsangehörige
Drittstaatsangehörige benötigen ein Dokument, das ihnen den Aufenthalt in Litauen erlaubt, sowie eine Saisonarbeitserlaubnis. Diese stellt Užimtumo tarnyba aus, die Arbeitsverwaltung, die dem Ministerium für soziale Sicherheit und Arbeit untersteht.
Höchstdauer und Arbeitgeberwechsel
Die Saisonarbeitserlaubnis wird für höchstens sechs Monate innerhalb von zwölf Monaten erteilt, am Stück oder in mehreren Abschnitten. Sie kann beim selben Arbeitgeber verlängert werden; für einen Arbeitgeberwechsel kann einmalig eine neue Erlaubnis ausgestellt werden – ebenfalls innerhalb dieser Grenze.
Illegale Beschäftigung und Sanktionen
Nach Angaben der staatlichen Arbeitsaufsicht ist die Beschäftigung von Ausländern illegal, wenn Arbeitserlaubnis oder Vertrag fehlen oder wenn ein erforderliches Visum bzw. ein erforderlicher Aufenthaltstitel nicht vorliegt. Das Migrationsdepartement informiert vor der Einreise über die nötigen Aufenthaltsdokumente.
Löhne und Arbeitsbedingungen
Der litauische Mindestlohn stieg von 1.038 Euro im Jahr 2025 auf 1.153 Euro brutto im Monat zum 1. Januar 2026 – ein Plus von rund 11 %. Der Mindeststundenlohn erhöhte sich von 6,35 auf 7,05 Euro brutto.
Gleicher Lohn für ausländische Saisonkräfte
Ausländische Saisonkräfte dürfen nicht schlechter bezahlt werden als in Litauen ansässige Beschäftigte, die beim selben Arbeitgeber dieselbe Arbeit verrichten. Ist kein Vergleich möglich, darf ihr Lohn den vom litauischen Statistikamt veröffentlichten durchschnittlichen Bruttomonatslohn der Branche nicht unterschreiten.
Das litauische Arbeitsgesetzbuch sieht Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit und Feiertage sowie anteiligen bezahlten Urlaub vor. Der schriftliche Vertrag muss Tätigkeit, Arbeitsort, Lohn, Arbeitszeiten und Dauer der Saisonbeschäftigung festhalten.
Beträge, Dokumente und Kosten
Die folgende Tabelle fasst die Zahlen und Formalitäten zusammen, die Sie vor einer Zusage prüfen sollten. Große Betriebe bieten oft eine Unterkunft an; der Abzug vom Lohn muss dann klar im Vertrag stehen.
| Punkt | Betrag oder Regel | Hinweis |
|---|---|---|
| Monatlicher Mindestlohn | 1.153 € brutto (2026) | 1.038 € im Jahr 2025 |
| Mindeststundenlohn | 7,05 € brutto (2026) | 6,35 € im Jahr 2025 |
| Saisonarbeitserlaubnis Drittstaaten | Höchstens 6 Monate in 12 | Ausgestellt von Užimtumo tarnyba |
| Arbeitgeberwechsel | Nur einmal | Innerhalb der 6 Monate |
| Lohn ausländischer Kräfte | Wie bei Ansässigen | Oder Branchendurchschnitt |
| Aufenthaltsdokument | Visum oder Titel, falls erforderlich | Migrationsdepartement |
| Arbeitsvertrag | Schriftlich | Tätigkeit, Lohn, Dauer |
Schritte zum Saisonjob
Užimtumo tarnyba, die öffentliche Arbeitsverwaltung, veröffentlicht Stellenangebote und bearbeitet die Saisonarbeitserlaubnisse; EURES Litauen unterstützt Bewerberinnen und Bewerber aus Europa. Landwirtschaftsbetriebe stellen ab dem Frühjahr ein, der Küstentourismus ab April für den Sommer.
- Zwischen Ernte, Gewächshaus und Küstentourismus wählen und einen Lebenslauf vorbereiten.
- Die Angebote von Užimtumo tarnyba und des EURES-Portals durchsehen.
- Höfe, Obstplantagen und Hotels in Palanga oder Nida direkt kontaktieren.
- Prüfen, ob die Stelle auf der offiziellen Liste der Saisontätigkeiten steht.
- Einen schriftlichen Vertrag mit Lohn, Dauer und Unterkunft verlangen.
- Ohne EU/EWR-Staatsangehörigkeit erst nach Erteilung von Erlaubnis und Visum zu arbeiten beginnen.
- Bei mehr als drei Monaten Aufenthalt den Wohnsitz bei der Migrationsbehörde anmelden.
Häufige Fehler und Betrugsmaschen
Unseriöse Vermittler haben es vor allem auf Bewerberinnen und Bewerber aus Drittstaaten abgesehen. Ein paar einfache Prüfungen – etwa ob der Arbeitgeber legal existiert und ob ein schriftlicher Vertrag vorliegt – ersparen die meisten bösen Überraschungen bei der Ankunft.
- Arbeiten, bevor die Saisonarbeitserlaubnis erteilt ist.
- Einen Lohn unter dem Mindestlohn von 7,05 € pro Stunde akzeptieren.
- Vermittlungsgebühren an einen ausländischen Vermittler zahlen.
- Die Grenze von sechs Monaten in zwölf Monaten überschreiten.
- Ohne schriftlichen Vertrag und ohne festgelegte Unterkunftskosten anreisen.
Häufige Fragen zur Saisonarbeit in Litauen
Die folgenden Antworten betreffen die häufigsten Situationen. Im Zweifel bleiben Užimtumo tarnyba, das Migrationsdepartement und die staatliche Arbeitsaufsicht die maßgeblichen offiziellen Quellen.
Muss man Litauisch sprechen, um eingestellt zu werden?
Nicht unbedingt. In vielen Hotels in Vilnius und an der Küste reicht Englisch, in manchen landwirtschaftlichen Betrieben sind Russisch oder Polnisch nützlich. Für Stellen mit Kontakt zu einheimischen Gästen ist Litauisch dagegen ein echter Vorteil.
Ist der litauische Mindestlohn hoch?
Mit 1.153 Euro brutto im Monat hat Litauen 2026 den höchsten Mindestlohn der drei baltischen Staaten, vor Estland mit 946 Euro und Lettland mit 780 Euro. Die Lebenshaltungskosten liegen weiterhin unter denen Westeuropas.
Darf eine ausländische Saisonkraft weniger verdienen als Einheimische?
Nein. Die Gleichbehandlungsregel schreibt mindestens den Lohn vor, den ein in Litauen ansässiger Beschäftigter für dieselbe Stelle beim selben Arbeitgeber erhält, ersatzweise den Branchendurchschnitt. Diese Regel schützt besonders Saisonkräfte, die im Ausland angeworben werden.
Kann man im selben Jahr zwei Saisons hintereinander arbeiten?
Für Drittstaatsangehörige darf die Gesamtdauer sechs Monate innerhalb von zwölf Monaten nicht überschreiten, auch bei zwei aufeinanderfolgenden Arbeitgebern. EU-Bürgerinnen und -Bürger unterliegen dieser Grenze nicht und können Ernte und Tourismussaison frei kombinieren.
Wo Sie diese Stellen finden
- EURES – Angebote für Arbeitsuchende — Europäisches Mobilitätsportal: Stellen in Litauen, EURES-Beratung, Hilfe beim Lebenslauf und Online-Jobmessen.
- EURES – Dienste der Plattform — Europäische Datenbank mit Millionen von Stellenangeboten und Lebensläufen, Kontakt zu Arbeitgebern und Informationen zu Arbeitsbedingungen.
- EURES Litauen – Saisonbeschäftigung — Online-Veranstaltung von EURES für litauische Arbeitsuchende zum Thema Saisonarbeit, mit Stellenangeboten und Beratung.
Offizielle und rechtliche Quellen
- Staatliche Arbeitsaufsicht – Saisonbeschäftigung von Ausländern — Offizielle Regeln zur Saisonarbeitserlaubnis: sechs Monate in zwölf, Arbeitgeberwechsel, gleicher Lohn und zuständige Behörden.
- Mondaq – litauischer Mindestlohn 2026 — Juristische Analyse der Anhebung des Mindestlohns auf 1.153 Euro im Monat und 7,05 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2026.
- Europäische Arbeitsbehörde – EURES-Merkblatt für Saisonkräfte — Rechte europäischer Saisonkräfte, Gleichbehandlung und Warnsignale bei betrügerischen Angeboten.