Weinlese in Österreich: als Lesehelfer zu Grünem Veltliner, Blaufränkisch und steirischen Rieden
Lesehelferinnen und Lesehelfer ernten in Österreich die Trauben händisch in den Weingärten Niederösterreichs, des Burgenlands, der Steiermark und Wiens, meist von September bis Ende Oktober, für ein Weingut und nach dem landwirtschaftlichen Kollektivvertrag des jeweiligen Bundeslandes.

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Wie läuft die Weinlese in Österreich ab?
Lesehelfer schneiden die Trauben mit der Rebschere, sortieren beschädigte Beeren aus, füllen Kübel und Lesekisten und tragen sie zum Traktor oder zur Wanne. In Terrassenlagen ist die Handlese unverzichtbar, und Qualitätsweingüter verlangen eine sorgfältige Auslese direkt im Weingarten.
Welche Weinbaugebiete suchen Lesehelfer?
Niederösterreich ist das größte Weinbauland mit Weinviertel, Wachau, Kamptal, Kremstal, Wagram und Thermenregion; Grüner Veltliner und Riesling prägen das Bild. Die Steinterrassen der Wachau erfordern eine reine Handlese auf oft steilen, schmalen Rieden.
Das Burgenland rund um den Neusiedler See, den Leithaberg und das Mittelburgenland erzeugt Blaufränkisch, Zweigelt und Süßweine. Die Steiermark mit Sauvignon Blanc in Steillagen und Wien mit dem Gemischten Satz ergänzen die Landkarte der Herbstarbeit.
Wann ist Lesezeit?
Die erste Lese für Sekt beginnt Ende August oder Anfang September. Die Hauptlese läuft von Mitte September bis Ende Oktober; im Burgenland startet sie häufig um Mitte September. Spätlesen und Süßweine ziehen sich teilweise bis in den November hinein.
Wer wird gesucht?
Weingüter suchen belastbare Leute, die in Steillagen und bei jedem Wetter arbeiten und drei bis sechs Wochen lang sechs Tage pro Woche verfügbar sind. Lese-Erfahrung hilft; wer Traktor fahren kann oder im Keller mitarbeitet, bekommt oft besser bezahlte Aufgaben.
Wer darf bei der Weinlese arbeiten?
EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörige arbeiten ohne Bewilligung. Viele Lesehelfer kommen aus Ungarn, der Slowakei, Tschechien oder Rumänien, also aus den Nachbarländern der östlichen Weinbaugebiete. Der Betrieb muss sie vor dem ersten Lesetag bei der ÖGK anmelden.
Welche Regeln gelten für Drittstaatsangehörige?
Sie kommen über das Kontingent für Land- und Forstwirtschaft 2026, das in bisheriger Höhe bleibt und in Spitzenmonaten um 30 Prozent überschritten werden darf. Das eigene Erntehelfer-Kontingent mit sechswöchigen Bewilligungen wurde abgeschafft und ins reguläre Kontingent übergeführt.
Das Weingut beantragt die Beschäftigungsbewilligung beim AMS frühestens sechs Wochen vor Lesebeginn. Sie erlischt, wenn die Arbeit nicht binnen sechs Wochen ab Beginn aufgenommen wird; ein realistisches Datum je nach Reife ist daher entscheidend.
Gilt der Stammsaisonier-Status auch hier?
Ja, für Personen, die in drei der letzten fünf Kalenderjahre jeweils mindestens drei Monate in der Landwirtschaft beschäftigt waren. Eine Weinlese allein dauert selten drei Monate; man muss sie mit anderen Arbeiten im Weingarten oder am Hof kombinieren.
Welches Visum für einige Wochen?
Für eine Lese unter 90 Tagen genügt ein Schengen-Visum C, persönlich bei der österreichischen Botschaft oder beim Konsulat mit der AMS-Bewilligung beantragt. Bewährte Saisoniers können ein mehrjähriges Visum C für bis zu fünf Jahre erhalten, brauchen aber jede Saison eine Bewilligung.
Wie viel verdient man bei der Weinlese?
Der Lohn richtet sich nach dem landwirtschaftlichen KV des Bundeslandes. In der Steiermark sah der bäuerliche KV 2025 für nichtständige Stundenlöhner 10,76 Euro brutto pro Stunde und für Hilfskräfte 1.864,73 Euro im Monat vor; Buschenschankpersonal erhielt 12,98 Euro pro Stunde inklusive Zuschlägen.
Dazu kommen aliquotes 13. und 14. Gehalt sowie der erworbene Urlaub. Bezahlung pro Kiste oder Kübel ist möglich, darf aber nie unter den kollektivvertraglichen Mindeststundenlohn des Bundeslandes fallen, in dem das Weingut liegt.
Wie ist die Arbeit organisiert?
Der Tag beginnt früh, sobald der Tau abgetrocknet ist, und richtet sich nach dem Wetter: Regen kann die Lese unterbrechen und danach längere Tage erzwingen. Überstunden sind mit Zuschlag zu bezahlen, und alle Stunden, auch Wartezeiten vor Ort, gehören aufgezeichnet.
Wo wohnt man während der Lese?
Weingüter bringen Lesehelfer oft am Hof oder im Ort unter, mit gemeinsamen Mahlzeiten. In der Steiermark wurde die freie Station 2025 mit 196,20 Euro im Monat bewertet; für einige Wochen ist der Abzug aliquot zu berechnen und schriftlich festzuhalten.
Wer nicht am Weingut wohnt, sollte die Anfahrt klären: Viele Rieden liegen abseits öffentlicher Verkehrsmittel, und der Lesebeginn am frühen Morgen lässt sich ohne Mitfahrgelegenheit kaum erreichen. Manche Betriebe organisieren einen Sammeltransport vom Ort zum Weingarten.
Kosten und Unterlagen im Überblick
| Posten | Betrag oder Unterlage | Hinweis |
|---|---|---|
| Nichtständiger Stundenlöhner (Steiermark) | 10,76 Euro brutto pro Stunde | Bäuerlicher KV 2025 |
| Buschenschankpersonal (Steiermark) | 12,98 Euro brutto pro Stunde | Inklusive Zuschläge, 2025 |
| Freie Station (Steiermark) | 196,20 Euro pro Monat | Aliquot bei kürzerer Dauer |
| Schengen-Visum C | 90 Euro | Lese unter 90 Tagen |
| Beschäftigungsbewilligung | Für Lesehelfer kostenlos | Antrag durch das Weingut |
| Ausrüstung | Handschuhe, Gummistiefel, Regenjacke | Rebschere meist gestellt |
So findet man eine Stelle als Lesehelfer
- Weinbaugebiet wählen und die üblichen Lesetermine des Jahrgangs prüfen.
- In AMS alle jobs nach Weinlese, Lesehelfer oder Erntehelfer Weinbau suchen.
- Weingüter schon im Juni oder Juli direkt kontaktieren, bevor die Lesepartien stehen.
- Stundenlohn, voraussichtliche Dauer, Unterkunft und Verpflegung schriftlich klären.
- Als Drittstaatsangehöriger das Weingut die AMS-Bewilligung beantragen lassen.
- Termine flexibel halten, weil der Beginn von der Traubenreife abhängt.
- Täglich Stunden und bei Leistungslohn die Zahl der Kisten notieren.
Welche Fehler sollte man vermeiden?
- Ohne schriftliche Zusage anreisen, obwohl sich der Lesebeginn um Tage verschieben kann.
- Eine Pauschale ohne Bezug zum kollektivvertraglichen Mindeststundenlohn akzeptieren.
- Ohne ÖGK-Anmeldung arbeiten, auch bei einer Lese von nur zwei Wochen.
- Regenkleidung und steillagentaugliches Schuhwerk vergessen.
- Vermittler für einen Platz in der Lesepartie bezahlen.
Häufige Fragen
Diese Antworten richten sich an ausländische Lesehelfer, die eine Saison auf einem österreichischen Weingut planen. Die Löhne hängen vom Bundesland ab und werden jährlich neu verhandelt; maßgeblich ist der KV der Region zum Zeitpunkt der Unterschrift.
Eignet sich die Lese für den ersten Aufenthalt?
Ja, die Lese ist kurz, verlangt wenig Vorkenntnisse und läuft oft familiär ab. Für EU-Bürger ist sie ein guter Einstieg, wenn man körperliche Arbeit, wetterabhängige Zeiten und manchmal einfache Unterkünfte in Kauf nimmt.
Wie lange dauert die Lese?
In einem Familienweingut dauert die Lese oft zwei bis vier Wochen. Größere Betriebe und Gebiete mit trockenen Weinen und Spätlesen bieten sechs Wochen oder mehr, zwischen Ende August und November, vor allem im Burgenland.
Kann man weitere Ernten anschließen?
Ja, steirische Äpfel werden bis Oktober geerntet und Marchfelder Gemüse bis November. Für Drittstaatsangehörige bleibt die Gesamtdauer aber auf neun Monate innerhalb von zwölf begrenzt, mit eigener Bewilligung pro Dienstgeber.
Wer hilft bei Problemen?
Die Kampagne Sezonieri berät landwirtschaftliche Arbeitskräfte kostenlos in dreizehn Sprachen zu Lohn, Arbeitszeit und Unterkunft. Auch die Landarbeiterkammer des Bundeslandes hilft, wenn Lohn ausbleibt oder Arbeitsbedingungen gegen den Kollektivvertrag verstoßen.
Wo Sie diese Jobs finden
- AMS – alle jobs und eJob-Room — Arbeitsmarktservice: kostenlose Suche nach Stellen als Lesehelfer und Job-Alarm über die App.
- AMS Burgenland – alle jobs — AMS-Infos zur Suchmaschine alle jobs mit über 2.300 Stellen im Burgenland und Umkreissuche.
- Sezonieri (EURES) — Kampagne für die Rechte von Erntearbeitskräften mit kostenloser, anonymer Beratung in dreizehn Sprachen.
Offizielle und rechtliche Quellen
- USP – Saisoniers — Unternehmensserviceportal: Beschäftigungsbewilligung, Visum C und D, Stammsaisoniers und Meldepflichten.
- WKO – Saisonkontingentverordnung 2026 — Kontingent Landwirtschaft 2026, Auflösung des Erntehelfer-Kontingents und zulässige Überschreitung.
- LK Steiermark – Neue Löhne für Landarbeiter — Löhne 2025 nach bäuerlichem KV Steiermark: Stundenlöhner, Hilfskräfte und Buschenschankpersonal.
- LK Niederösterreich – Ausländerbeschäftigung — Voraussetzungen für ausländische Saisonarbeitskräfte, Erlöschen der Bewilligung und Meldungen an das AMS.